Jedes Fenster ein Kosmos

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Gegenstand der Gestaltung des Foyers ist eine, die gesamte zentrale Wandfläche ausfüllende Illustration, die beim Betreten des Gebäudes sogleich farbenfroh in den Blick rückt. Im ersten Moment scheint hier zunächst – aus der Vogelperspektive gesehen – die Schule, mit ihrer Umgebung und dem Berliner Stadtteil Hellersdorf, abgebildet zu sein. Beim Näherkommen zeigt sich die Detaillierung, denn hinter den Fassaden der Gebäude, in den Wohnungen, auf den Dächern und Straßen sind unzählige Figuren und Objekte zu erkennen. Die gesamte Wand offenbart sich als lebendiges Wimmelbild mit einer großen Fülle von Ereignissen. Fantastisches und Alltägliches sind dabei verwoben. Hinter jedem Fenster eröffnet sich ein kleiner Kosmos. Heiter-ironisch wird eine Vielfalt der Lebenswege, der sozialen Zusammenhänge, der Träume, Wünsche, Hobbys oder Verrücktheiten der Bewohner deutlich. Spekulation und Erfahrung, Spiel und Ernst treten in Beziehung. Die Wand ist ein Comic, der mit jedem Aufenthalt im Gebäude etwas Neues zu entdecken gibt, und jedem Lebensalter etwas anderes erzählt.

Das illustrative Konzept bietet die Möglichkeit, eine ungeheure Menge kurzer Narrationen und symbolischer Elemente unterzubringen. Zentraler Teil des vorgeschlagenen Konzepts wäre daher, im ersten Schritt möglichst viele Ideen gemeinsam mit den SchülerInnen zu entwickeln. Im Rahmen eines Projekttags, würde eine Gruppe der jungen GebäudenutzerInnen zusammen mit (Kunst-)LehrerInnen und Künstler eine eigene Sammlung beginnen: Auf Bögen noch leerer Ausschnitte (Quadranten) der Gesamtdarstellung könnten zeichnerisch oder textlich in die offenen Gebäudestrukturen – wie in einen Setzkasten – Ideen platziert werden. Eine freie und assoziative Arbeitsweise gäbe Impulse zum kreativen Handeln. Die im Unterricht vermittelten künstlerischen Strategien, wie bildhaftes Gestalten, Erforschen, Sammeln, Collagieren, Verfremden und Inszenieren, kämen zur Anwendung. Es ginge darum, die ganz eigenen Themen zeigen zu können und in der Arbeit zu verankern. Die SchülerInnen würden auf diese Weise zu Co-AutorInnen des Projekts.

Die vielleicht eher ungewöhnliche Strategie zur Beantwortung der Aufgabenstellung »Kunst am Bau« dient dem Zweck, in doppelter Hinsicht Identifikation zu stiften: Einerseits wird das Projekt zum Medium, in dessen Verlauf Lebensumfeld und Lebenswirklichkeit durch die NutzerInnen selbst erzählt werden können; während andererseits ein Selbstverständnis für Mitbestimmung gestärkt wird angesichts eines sich verändernden Umfelds. Dem Künstler, der in erster Linie die Aufgabe der Moderation hat und zunächst die Vorbereitung der illustrativen Grundstruktur übernimmt, obläge im finalen Schritt die Ausformulierung des Gesamtwerks. So würden die gesammelten und eigenen Bildideen schließlich digital nachgezeichnet, stilistisch harmonisiert und in die komplexe Gesamtdarstellung integriert. Eine übergreifende Bildsprache entstünde. Die Farbgebung würde dabei auch dem gestalterischen Anliegen der Architektur angepasst.

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Beitrag im Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Pusteblume Grundschule Berlin-Hellersdorf. 3. Wettbewerbsrundgang (zweitplatziert).