too small to fail

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Kunst am Bau für AEMtec Berlin


AEMtec bietet die Entwicklung, Industrialisierung und Produktion miniaturisierter und komplexer (opto-) elektronischer Mikrosysteme unter Verwendung von high-end chip-level-Technologien wie CoB, Flip-Chip, 3D-Integration und Opto-Packaging. Das Unternehmen begleitet national und international tätige Unternehmen in den Märkten Medizintechnik, Daten- und Telekommunikation, Industrie und Automatisierung, Halbleiter, Sicherheits- und Automobiltechnik – vom anfänglichen Konzept bis zum fertigen Produkt.

Die stetige Miniaturisierung elektronischer Produkte wird zunehmend aufwendiger und komplexer. Präzision und Qualität werden immer stärker vom Markt nachgefragt. CoB (Chip on Board), Flip-Chip, SiP (System in Packages) und andere Verfahren sind heute vermehrt gefordert und verlangen eine extrem dichte Bestückung auf kleinsten Raum. Das so genannte downscaling – Verkleinern – führt nicht nur zur Steigerung der Effizienz im Bezug auf Leistung, Masse, Kosten und des Energieverbrauchs der Produkte, sondern auch zur Entwicklung innovativer Lösungen. Elektronik dringt heute in Bereiche vor, in denen sie früher sinngemäß keinen Platz hatte. Ein Beispiel sind Sensoren, die heute in unzähligen Mengen an Maschinenteilen angebracht werden, um Temperatur, Druck oder die chemische Zusammensetzung von Materialien zu überwachen.

In der Chipfertigung verdoppelt sich alle zwei Jahre die Anzahl der Transistoren auf gleicher Fläche. Bis zu 180 Millionen Stück können mittlerweile auf einem Quadratzentimeter hauchdünner Silizium-Schichten untergebracht werden. Die Wege im Inneren werden dabei immer kürzer und die Schaltungen dadurch schneller. Eine Vielzahl einzelner integrierter Schaltkreise befindet sich auf einem der Halbleiterrohlinge, den Wafern. Äußerlich betrachtet sind das runde, spiegelnde Scheiben, deren unter dem Mikroskop sichtbare, innere Verbindungen bei einem lithografischen Belichtungsverfahren entstehen. AEMtec sorgt nicht nur für die äußeren Anschlüsse der Mikrochips, auch Teile der hochpräzisen Optik für die Geräte der Chipproduktion werden hier entwickelt.

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Der im Sommer 2013 bezogene dreigeschossige Neubau in Adlershof umfasst neben der Reinraumfertigungsfläche mit den erforderlichen Räumen für deren Betrieb die Logistik, Verwaltung, Entwicklung, den Vertrieb und das Qualitätsmanagement. Die Verbindungsflure, die zunächst in schlichtem Weiß gehalten waren, sollten kommunikativ gestaltet werden und Geschäftspartnern wie Mitarbeitern gleichermaßen Anregung und Identifikation bieten. Eine individuelle, ortsbezogene Lösung wurde gesucht.

Die Umgebung des Gebäudes ist der schnell wachsende Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof, ein Areal mit diversen Neuansiedlungen von Forschungsinstituten und privaten Unternehmen. Das Gelände des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal bildet den örtlichen Rahmen. Der bereits 1909 gegründete erste deutsche Motorflugplatz war seit seiner Entstehung Experimentierfeld für Technikpioniere und gilt als Wiege der internationalen Luftfahrt. Noch heute lassen sich erhaltene historische Versuchsbauten besichtigen. Sie sind integriert in neue Gebäude der Humboldt-Universität und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Einer Einladung folgend lernte ich AEMtec von allen Seiten kennen. Ich nutzte die Zeit, die für mich zunächst rätselhaft-komplexen Produkte und Fertigungsanlagen ausgiebig zu besichtigen. Während meines Aufenthaltes zog mich die Atmosphäre am Ort sofort in ihren Bann. Fertigung unter Reinraumbedingungen bedeutet nicht nur unter Kitteln, Hauben und Mundschutz versteckte Mitarbeiter – wie man es aus Operationssälen kennt –, sondern auch ständige gefilterte Be- und Entlüftung. Staub, Fett und Haare sind aus der Produktion fern zu halten. Die dafür notwendige Klimatechnik befindet sich verborgen in einer geschosshohen Zwischendecke. Unter ihr stehen die automatisierten Fertigungsstrecken, die nie still stehen. Kleine Roboterarme setzen Bauteile am Fließband positionsgenau auf die vorgesehenen Stellen. In Öfen verflüssigen sich Lötstellen, Kontakte verbinden sich. Mitarbeiter arbeiten am Mikroskop, bedienen und bestücken die Anlagen.

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[Vergrößerte Darstellung]

Inspiriert von dem Gesehenen und Gehörten aus der Arbeitswelt und im Austausch mit Mitarbeitern aus Produktion, Engineering und Verwaltung entstand eine Vorstellung, wie die Wände der AEMtec gefüllt werden konnten. Eine Bildergeschichte im Stil eines Comics, schien das geeignete Gestaltungselement zu sein. Eine Story, die das „Betriebsgeheimnis“ von AEMtec lüftet. Die zahlreichen Bilder, die sich während der Zeit am Ort ansammelten, galt es zu verarbeiten und als Schauplätze der Geschichte zu vereinen. Stark vergrößert wirken die darauf abgebildeten Formationen wie die Architektur einer utopischen Stadt – aufregend und geheimnisvoll. In dieser Welt arbeiten Nanobots, winzige intelligente Roboter, die es schaffen, Verbindungen zwischen Chips herzustellen. Sie arrangieren Lotperlen und schichten Bonddrähte neben- und übereinander. Mit ihrem Laserstrahl fügen sie alles zusammen.

Max, der Protagonist des Comics, entdeckt die Bots zufällig während einer Nachtschicht. Er folgt ihnen durch das Gebäude, findet schließlich neben Filtern, Rohrleitungen und Elektrokabeln ihre verborgene Heimat. Das geordnete Treiben der Naniten weckt seine Neugier. Überrascht erkennt er, wie die reale Welt mit der künstlichen verschmilzt. Die Umgebung und das Gebäude selbst bilden sich plötzlich auf einer Leiterplatte ab. Die Nanobots, die als kleine Flieger umherschwirren, transportieren Material und bauen die Struktur auf. Als Max einem der Bots auf die Beine hilft, beginnt die Freundschaft zwischen Mensch und Maschine.

Wie ein Kurzfilm zieht sich die Geschichte entlang von 160 Metern Wandfläche. Im Erdgeschoss durch eine Glasfront einsehbar, wird sie im Obergeschoss zum Zentrum einer offenen Bürolandschaft. Die Gestaltung verändert die Atmosphäre. Die Wände beginnen zu leben. Die Bilder erzeugen durch den Anschein naturalistischen Lichts räumliche Tiefe. Bei Formaten mit 2,70 Metern Höhe und bis zu 10 Metern Breite scheinen sich Fluchtpunkte im Vorbeigehen zu verschieben. Wie im Kino wird das Sichtfeld des Betrachters ausgereizt. Eine gewisse Strenge in der grafischen Ausformulierung wird der Arbeitsumgebung gerecht. Die Anwendung von Methoden der Architekturdarstellung ist unübersehbar.

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Besonderer Dank an Constance Scharff, Jörg Brinkmann, Martin Z. Schröder, Maxim P. Bauer, Maximilian Sidorowicz, Mirko Maierzak, Aljoscha Redenius, Olaf Koch, das Management der exceet AG, Jan Trommershausen und Dan‌ Negrea, sowie alle Mitarbeiter der AEMtec GmbH Berlin, insbesondere Jörg Lauterbach und Bianca Penner, für die freundliche und umfassende Unterstützung bei der Vorbereitung und Ausführung des Projekts.

Tapetenherstellung

extratapete, Berlin