Periskop – Kunst-am-Bau-Wettbewerb Haus der Zukunft

Periskop Kunst am Bau Haus der Zukunft

Zeit wird zumeist als Strang gedacht. Zukunft und Vergangenheit sind Begriffe, die das Danach und das Davor kennzeichnen. Die Linearität dieses Modells lässt sich aufbrechen: Walter Kempowski etwa versucht in seinem kollektiven Tagebuch »Echolot« die Gleichzeitigkeit von Ereignissen und die Pluralität ihrer Wahrnehmung innerhalb eines als singulär verstandenen, historischen Geschehens abzubilden. Das Echolot ist ein Instrument, das auf Schiffen installiert ist. Es verleiht der Achse des sich bewegenden Objekts impulsartig räumliche Ausdehnung.

Auch das Periskop ist ein Schiffsinstrument. Es offenbart Gleichzeitigkeit auf eine eigene Weise: Eine fremde Sicht wird als optisches Abbild simultan in die reale Perspektive des Betrachters eingeblendet. Das Sehrohr, das immer eine Verschiebung und Verdrehung der eigenen Blickachse ermöglicht, impliziert eine Aufforderung: In der skulpturalen Arbeit »PERISKOP« benutzen mehrere Betrachter mehrere dieser Instrumente. Jeder Betrachter soll selbst seine eigene, unteilbare Sicht auf die Welt bestimmen können.

Das »Haus der Zukunft« wird als Schiff beschrieben. Es ist Zeit- und Raum-Fähre. Das weithin sichtbare Periskop dient nicht nur der Vervollständigung dieses Sinnbilds, sondern ist vielmehr Symbol individueller, gleichzeitiger Wahrnehmung und gleichzeitigen Handelns. Als benutzbares Objekt ermöglicht es eine spielerische Erfahrung dieser Bedeutungsebene. Als kühne Land- oder Wegmarke am Spreeufer markiert die Installation den Ort des Ausblicks in die Zukunft. Zudem beschreibt die punktuelle Setzung von Masten einen Treffpunkt an ihrem Fuß. Plattform/Interaktionsfläche/aktive Mitgestaltung/Neugierig auf Zukunft machen.

Der Blick durch eines der horizontal drehbaren Okulare auf Erdboden-Niveau eröffnet jeweils einen anderen Blick in die Stadt. Die Höhe der schlanken Edelstahlröhren, die an der Spitze für die Objektive abknicken, variiert zwischen 20 und 35 Metern. Der Benutzer überblickt dadurch von seinem Standpunkt auf dem Vorplatz das »Haus der Zukunft« und Teile der Umgebungsbebauung. Er durchstreift mit seinem Blick ein Stadtpanorama, dessen eigentlichen Aussichtspunkt er physisch nicht erreichen kann.

Beitrag im Kunst-am-Bau-Wettbewerb Haus der Zukunft (Futurium), Berlin.